Die letzten zwei Wochen hatte ich Urlaub und habe Freunde und meine Eltern besucht. 12 Tage war ich in Kontakt mit den unterschiedlichsten Familien und deren Eigen- und Besonderheiten. Es war traurig, anstrengend, wunderschön, intensiv, dramatisch, lustig und noch einiges mehr. Als ich in München mit dem Zug eingefahren bin, war es wie Heimkommen. Meine Wohnung – meine Burg. Weihnachten werde ich dieses Jahr das erste Mal (!) nicht bei meinen Eltern sondern bei lieben Freunden am Bodensee verbringen. Und auch zum runden Geburtstag meines Vaters an Neujahr werde ich nicht im Odenwald sein. Daher bin ich gestern in einen Buchladen, denn bevor ich ihm ein Buch schenke, will ich zumindest hineingelesen haben. Da habe ich aber etwas anderes gefunden: Hochsensibel – Was tun? Mit hochsensiblen Personen hatte ich durchaus schon zu tun, auf die Idee, dass ich auch dazu gehören könnte, bin ich aber bis zu dem Test in diesem Buch nicht gekommen. Darüber hinaus werden verschiedene Personen mit ihrer Geschichte vorgestellt und ich habe ganz oft gedacht: “Genau wie bei mir.” oder “Das kenne ich.”

Unheimlich. Okay, ich habe jetzt kein ausgeprägtes Gespür für Design oder Farben, ABER: fehlende Kommata, falsche Groß- und Kleinschreibung sowie holprige Formulierungen fallen mir auf. Immer. Ich kann einfach nicht darüber hinweglesen. Laut der Autorin Sylvia Harke ist es neben anderen ein Zeichen für Hochsensibilität.

Jetzt fange ich an, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und habe unter Hochsensibel Test einen entsprechenden Onlinetest gemacht. Kein Zweifel. Ich finde es beruhigend, dass es noch mehr gibt, die ähnlich wie ich gestrickt sind. Dass ich mich nicht schämen muss, wenn ich keine Gewalt in Film und Fernsehen sehen will und kann. Dass es nicht funktioniert, wenn ich mir ein sog. “dickes Fell” zulegen muss; egal ob beruflich oder privat. Schon seit einiger Zeit sehe ich es als Stärke, dass ich weiß, wie es meinem Gegenüber geht und ich mich entsprechend darauf einstellen kann. Und auch mein Bedürfnis nach Ruhe (keine Dauerbeschallung durch Radio und Fernseh in meiner Wohnung, schlafen mit Ohrstöpseln und Schlafmaske) und Allein-sein hat eine völlig neue Bedeutung für mich bekommen.

Ich brauche es einfach. Punkt.