Ende 2014 hatte ich für ein paar Wochen eine Beziehung zu einem Mann, die mich noch relativ lange beschäftigt hat, da wir kein “letztes Gespräch” hatten. Also habe ich ihm eine E-Mail geschrieben – und er meinte danach per Mail, dass ich in allen Punkten in Schwarze getroffen hätte. Und ich hab es aus dem Kopf.

“V.,

sorry, die Sandwich-Taktik wird hier nicht funktionieren, denn leider lässt Du Dir die Chance zu einem letzten Gespräch mit mir entgehen. Das finde ich respektlos. Wir hatten für ein paar Wochen eine Beziehung und Du schlägst meinen Wunsch nach einer letzten Aussprache ab. Damit entpuppst Dich auf den letzten Metern als Arschloch. Dass Du ein Egozentriker und Narzisst bist, weißt Du. Für mich ist es wichtig, dass ich meine Gedanken aufschreibe, denn dann sind sie aus meinem Hirn und ich kann mit Dir abschließen.

Ich habe überhaupt nicht das Verlangen, eine Beziehung mit Dir weiterzuführen. Da Du ja aber, ach, so interessiert bist an allem Möglichen, vergibst Du Dir hier die Chance, einen anderen Standpunkt zu hören und Dich weiterzuentwickeln. Das willst Du doch; hast Du zumindest immer behauptet.

Für mich ist es jetzt kein Wunder, dass Du keinen Kontakt mehr zu Deinen Exfreundinnen hast und keine Beziehung länger als zwei Jahre gedauert hat… Man kann auch erwachsen eine Beziehung beenden, wenn sich die Gefühle geändert haben oder eben doch nicht so stark sind. Dann geht jeder seiner Wege, man freut sich der gemeinsamen Zeit. Und gut. Aber auf den Gesprächswunsch einer Person, die einem einmal nahe gestanden hat, nur ablehnend reagieren?! Das ist sogar asozial.

Dennoch möchte ich mich bei Dir bedanken, denn all diese Erfahrungen habe ich gebraucht.

Ich will mit Dir keine Beziehung weiterführen, die mir nicht gut tut, denn ich bin nicht nur nicht die Richtige für Dich, sondern Du bist der ABSOLUT FALSCHE Partner für mich. Du drückst bei mir Knöpfe, die mich in die falsche Richtung laufen lassen. Das ist wahrscheinlich das, was Du mit „Muster“ oder „Symptom“ meinst. Dem stimme ich zu. Und wenn ich auf der absteigenden Spirale bin, bin ich nicht mehr in der Lage, meine Gefühle und Gedanken positiv zu beeinflussen. In der Zeit mit Dir war ich definitiv in einer  depressiven Phase. Im Zusammensein mit Dir war ich immer ungenügend, unvollkommen und mein Körper hat darauf reagiert. Das habe ich Dir auch gesagt, als ich meinte, dass ich mich nicht spüre. Du hast keine Rücksicht darauf genommen und warst an dieser Stelle übergriffig.

Du sagst, dass Du gleich Einhalt bekommen möchtest, wenn Du klugscheißt (dieses ist für mich ein unmögliches Wort), aber das ist in einer konkreten Situation schwierig. Wahrscheinlich nicht nur für mich, sondern für die meisten Menschen. Erst im Nachhinein wird mir klar, was passiert ist und was Deine Äußerungen bei mir anrichten. Dabei geht es auch darum, dass Du Dir ein Urteil über all das um Dich herum anmaßt. Ich finde, das steht Dir nicht zu! Ungefragt erst Recht nicht! Schön für Dich, wenn Du Deinen Weg gefunden hast – aber es ist DEIN WEG, nicht der der restlichen Menschheit! Abgesehen davon stellst Du Dich über alle anderen Menschen. Du bist unerträglich überheblich. Die anderen sind nichts wert, denn sie machen dieses oder jenes falsch. Wenn sie nur auf Dich gehört hätten… Gähn.

Für Dich bist Du der Nabel der Welt. Punkt. Das sollten alle Menschen für sich selbst sein. ABER: Alle anderen haben sich nach Dir und Deinen Befindlichkeiten, Deiner Zeitplanung und Deinem Wunsch nach Alleinsein zu richten. Für eine Beziehung ist das zuwenig. Da gibt es nicht nur ein Ich und ein Du, sondern eben auch ein Wir, das immer wieder neu geschaffen wird und entsteht. An dieser Stelle weiß ich, wovon ich rede, denn ich habe es schon erlebt. Dieses Aufgehoben- und Gehaltensein in einer Beziehung, bei der die Grenzen verschwimmen und die Zeit stillzustehen scheint, wenn eine Seele eine andere berührt… Das ist magisch.

Schön für Dich, wenn sich die mehr als 20 Jahre Therapieerfahrung für Dich lohnen. Meiner Ansicht nach bist Du noch viel zu sehr mit dem Kopf und viel zu wenig mit dem Herzen dabei. Das hat mir auch gefehlt. Deine Herzenswärme und Herzensgüte ist in jedem Fall erweiterbar – denn sie ist nicht wirklich vorhanden. Dazu gehört z.B. auch, dass Du Dich mit Deinen Eltern auseinandersetzt und sie nicht negierst, sondern ihnen ihr Verhalten vergibst. Wenn Du sagst, dass Du von mir keinen Monolog hören willst, weil Du in H. genug Monologe Deiner Mutter gehört hast, beweist es genau das: Es ist Dein Thema! Und mir gegenüber bist Du damit respektlos, denn meine Wünsche zählen nicht, s.o.

Darüber hinaus möchte ich nicht, dass Du Dein Leben auf irgendeine Weise mit meinem vergleichst. Wenn Du das Gefühl hast, das ich „ähnliche Sachen gerade durchmache“ wie Du „vor 15 Jahren“, dann ist es anmaßend! Woher willst Du das wissen? In einem hast Du allerdings Recht: Du bist nicht das ideale Gegenüber! Und auch an dieser Stelle steht Dir eine Be-wert-ung und Be-urteil-ung nicht zu! Du hast mich nicht zu werten und über mich zu urteilen.

Wenn Du in einer SMS von meiner „Lebenswut“ sprichst, kennst Du mich wirklich nicht. „Lebenswut“ ist Dein Thema! Was soll das überhaupt für ein Wort sein? Wenn, dann habe ich Zorn. Und wenn ich ihn spüre – feiere ich ihn.

Ich möchte mich noch einmal bei Dir bedanken. Ich habe gefühlt, was für mich in einer Beziehung jeglicher Form wichtig ist: gemeinsames Lachen, Wohlwollen, Vertrauen, Wertschätzung, Leichtigkeit, Nähe und aushaltbare Distanz, Verbindlichkeit. Darauf kann, will und werde ich nicht verzichten! Und das sind die Kriterien, nach denen ich mir meine Freunde aussuche. Ich habe kein Interesse daran, eine Beziehung mit Dir – gleich welcher Form – fortzuführen. Sehr spannend, dass Du davon ausgehst, dass ich eine Beziehung zu Dir will, Du jedoch nicht. Schon wieder anmaßend und Du hast keine Ahnung davon, wer ich bin oder was ich will.

Ich suche einen Freund, mit dem ich gemeinsam lachen und völlig albern sein kann. Ich suche einen Partner auf Augenhöhe, der mich wertschätzt und respektiert. Das bist Du nicht.

All das hätte ich Dir gerne persönlich gesagt und wir wären unserer Wege gegangen; so bleibt leider ein fader Nachgeschmack, da Du zu feige und/oder zu arrogant bist, Dich auf eine andere Person einzulassen. Du kreist nur um Dich. Immer.

Daher auch meine Frage nach anderen Frauen: Das wäre eine sinnvolle Erklärung dafür gewesen, warum Du mir die gleichen Geschichten mehrmals erzählt hast. So ist es Dir wahrscheinlich egal, wer Dir zuhört, Hauptsache, Du hast Publikum.

Schade finde ich, dass die gemeinsamen schönen Zeiten jetzt einen faden Beigeschmack bekommen; und in ihrer Anzahl und Wertigkeit immer weniger werden. Aber so ist das wohl.

Nach unserem letzten Treffen bin ich, trotz angeschlagener Zehen, nach Hause gelaufen und habe ein bisschen geweint. Daheim habe ich mit Freunden gechattet, einen Glühwein getrunken und bin ins Bett gegangen. Am nächsten Morgen musste ich um kurz nach 5 Uhr aufstehen – und war ganz bei mir. Ich war in meinem Körper, war leicht und frei. Da musste ich mir wirklich in Erinnerung rufen, dass ich ja am Abend vorher mit meinem Freund Schluss gemacht habe und es mir eigentlich schlecht gehen sollte. Dem war aber nicht so. Im Gegenteil! Dafür danke ich Dir auch! Meine depressive Phase ist beendet. Ich bin wieder bei mir und ich weiß, was und wer mir guttut. Beziehungsweise was ich tun kann, wenn es nicht der Fall ist. Ich habe mir überlegt, was meine Therapeutin gesagt hätte, wenn ich zu ihr gegangen wäre, nämlich genau das: „Sie wissen doch genau, was Ihnen gut tut und was Sie dafür tun müssen.“

Und dazu gehört, sich von Leuten zu verabschieden, die mir nicht guttun. Das tue ich hiermit.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich in Deinem Sinne entwickelst. Dafür alles Gute!
B.

P.S.: Abgesehen davon bist Du auch nicht so schlau wie Du glaubst: Ein gutes Olivenöl brennt in der Kehle und kann sogar bitter schmecken. Also nicht, wie Du behauptest, dass es eben nicht brennen darf. Diese Information habe ich von einem Olivenbauern; und der muss es schließlich wissen.