Irgenwann ist jedes Kind aufgefordert, sich mit dem Älterwerden seiner Eltern auseinanderzusetzen. Bei mir ist irgendwann jetzt.

Aktuell ist mein Vater in der Kurzzeitpflege. Meine Mutter sagt, geistig wird er immer klarer, aber er isst und trinkt immer noch nicht genug, dass er wieder nach Hause könnte, auch wenn er das will. Meine Mutter kann nur warten…

Ich bin an dieser Stelle hilflos, denn ich bin in München und nicht bei meinen Eltern. Ich kann nur meine Mutter anrufen, zuhören, mitfühlen. Vor drei Wochen habe ich meinen Vater noch im Krankenhaus besucht. Und einen alten, eingefallenen Mann gesehen, der nur noch entfernt meinem Vater gleicht. Wenn er einen klaren Moment hatte, hat er mich erkannt und auch wieder seine Sprüche gemacht. Es hat mich erschüttert, ihn so hilflos und pflegebedürftig zu sehen.

Auf der anderen Seite bin ich zornig, dass er auch jetzt wieder tut, was er will. Egal, wie es anderen dabei geht.

Meine Eltern sind seit 53 Jahren verheiratet. In Worten: dreiundfünfzig! Das ist eine lange Zeit…

Es steht mir kein Urteil über ihre Beziehung zu. Ich weiß nur: meine Eltern sind meine Familie. Ich habe nur diese beiden Menschen. Punkt.