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September, 2016

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Zu viel

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Keine Ahnung warum, aber im Moment ist mir alles zuviel. Irgendwie bin ich meines Lebens im Augenblick überdrüssig. So müde.

Ich weiß, dass es auch wieder anders wird. Aber jetzt gerade – würde ich am liebsten nur im Bett bleiben und mir die Decke über die Ohren ziehen. Jaha, ich weiß, dass das eine ganz blöde Idee ist. Und ich weiß auch, dass es bald wieder vorbei ist. Aber im Moment…

Abschiedsbrief an einen depressiven Quartalssäufer

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Lieber S.,

es kann sein, dass Du mit mir noch ein letztes Gespräch führen würdest wenn ich Dich darum bitte, aber ich will nicht. Ich will mit Dir abschließen und das kann ich am besten schriftlich. Und in erster Linie schreibe ich für mich; auch wenn Du das nicht glauben magst.

Anfang September 2016 hast Du mich noch einmal angerufen, auch wenn ich Dir mitgeteilt hatte, dass ich keine Lust habe zu telephonieren. Wieder einmal hast Du Deinen Willen durchgesetzt und es war egal, was ich will. Sicher, ich hätte auflegen können, aber ich war auch neugierig, was Du mir zu erzählen hast… Und habe mich im Nachhinein über meine Entscheidung geärgert, denn Du bist mir wieder im Kopf gewesen. Außerdem hattest Du nichts Neues zu berichten und ich habe keine Lust, mich von Dir beschimpfen zu lassen, auch wenn Du immer wieder betonst, dass Du mich nicht beschimpfen oder aufregen willst. Sei versichert, meine positiven und warmen Gefühle für Dich sind weg. Innerlich bin ich kalt. Daher berührt es mich auch nicht, wenn Du mir erzählst, dass Du jetzt weißt, wer für Dich wichtig ist. Ich weiß, ich bin es nicht.

Deiner Ansicht nach soll ich mir Gedanken über mich machen. Schon diese Aufforderung ist ohne Worte. Du siehst Dich als den Unverstandenen, den Retter der Unbewußten. Du willst, dass ich Deine Sicht auf die Dinge verstehe. Aber: Ich will nicht. Ich will nicht mehr mit Dir zusammen sein und ich will mich nicht damit auseinander setzen, warum Du so geworden bist wie Du bist. Ich habe schon viel zu lange versucht Dich zu verstehen. Und Dir beizustehen.

Wir haben uns Anfang Juni 2015 kennengelernt und in den ersten zwei Monaten warst Du ein absoluter Traumtyp und das habe ich auch Dir und anderen gegenüber mehrfach betont. Und ich habe Dir auch gesagt, dass ich keinen kenne, der so viele unterschiedliche Gesichter hat. Und mit einigen davon komme ich überhaupt nicht zurecht.

Heute weiß ich mehr und wenn ich mich während unserer Beziehung betrachte weiß und hoffe ich, dass mir so etwas nie mehr in meinem Leben passieren wird. Nichtsdestotrotz will ich mich aus vollem Herzen und mit ganzer Seele auf eine neue Beziehung einlassen. Irgendwann.

Jetzt ist die Zeit des Abschieds. Du willst Deine restlichen Sachen nicht mehr holen und das ist okay für mich. Du bist ebenfalls dabei Abschied zu nehmen und tust geheimnisvoll, auch wenn Du noch nicht weißt, wo Du hingehst oder wie lange Du in München bleibst oder was Du beruflich machen willst etc. Gut, wenn Du meinst oder um es mit Deinen Worten zu sagen: Dann kläre Deine Sachen.

Als wir uns kennengelernt haben, habe ich Dich dafür bewundert, dass Du alle Brücken hinter Dir abgebrochen hast und in einer fremden Stadt einen neuen Job anfängst ohne jemanden zu kennen. Jetzt ist mir klar warum: Du hinterläßt verbrannte Erde.

Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, was in unserer Beziehung im Einzelnen schief gelaufen ist, ich weiß nur, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr agiert sondern nur noch reagiert habe, damit es Dir gut geht und Du ja nicht flippst. Leider nicht erfolgreich. Ich finde, es ist mein gutes Recht in meinem Blog, den ich nämlich genau so verwende, an Dich zu schreiben. Schließlich hast Du unsere Beziehung auch mehr als öffentlich gemacht, wenn Du in meiner Wohnung, in der Du auch gewohnt hast, herumgeschrien hast. Oder ich mit einem Großaufgebot der Feuerwehr im März meine Wohnung aufbrechen musste, weil Du es – aus welchen Gründen auch immer – im Urlaub auf Mallorca mit mir nicht mehr ausgehalten hast, so dass Du nach drei Tagen zurückgeflogen bist. Und mich dort hast sitzen lassen. Und zu der Nacht vor Deinem Abflug, als Du mir zeigen wolltest, was meine größte Angst ist, kann ich nur sagen, nein, das ist nicht meine größte Angst, das ist DEINE! Du hast Angst, dass Dich jemand benutzt und dann verläßt, daher markierst Du den starken Mann, der Du in dieser Hinsicht nicht bist.

Die Tage, die ich im März noch auf Mallorca verbracht habe, waren alles andere als erholsam. Ich wusste nicht, wie es Dir geht, was mit Dir passiert, ob Du Dir etwas antust, ob Du meine Wohnung verwüstest… Beliebige Szenarien habe ich durchgespielt und Worst-Case-Szenario ist eingetreten: Du hast völlig besoffen auf meiner Couch gelegen und hattest meine Bar geplündert und in meiner Wohnung – zum Glück nicht so arg wie in Deinem alten Zimmer – randaliert. Wahrscheinlich sollte ich froh sein, dass Du überhaupt noch gelebt hast… Die Flecken und der Gestank auf meinem Teppich werden mich immer an Dich erinnern, denn bislang ist es mir nicht gelungen sie zu entfernen. Widerlich.

Ich brauche keinen, der mich rettet. Und ich will auch keinen, den ich retten muss. Das funktioniert sowieso nicht. Du hast gesagt, Du hast eine Depression und ich habe Dir versichert, dass ich durch diese Zeit mit Dir gehe und versuche, mich so zu verhalten wie ich es mir damals von meinem Partner gewünscht hätte. Tatsächlich ist aber nicht die Depression Dein Thema, sondern der Alkohol. Oder auch beides. Du bist ein Quatalssäufer, der sich alle drei Monate die Lichter ausschießt. Es wäre besser gewesen, ich hätte Dich nie in meine Wohnung einziehen lassen und die Beziehung gleich nach Deinem ersten Absturz in München Anfang August 2015 beendet. Hinterher ist man immer schlauer…

Der Wunsch nach einer Beziehung war stärker als mein gesunder Menschenverstand. Ich habe Dir geglaubt und Du hast mich belogen. Meine Familie und meine Freunde habe ich Dir vorgestellt, aber für Dich waren nur die Männer, mit denen ich im Bett war, wichtig. Ich habe Dich in mein Leben, mein Herz und meine Wohnung gelassen und Du hast dort gewütet und meine Sachen nach Deinem Belieben weggeworfen. Eifersüchtig bist Du auf irgendwelche Ereignisse in der Vergangenheit. Alles sollte ich entsorgen. Bin ich froh, dass ich meine Urlaubslisten, in denen ich eintrage, was ich mit in Urlaub nehmen will, nicht entsorgt habe! Na ja, die zwei Zettel, auf denen Dein Name steht, sind am Ende nur eine Randnotiz meiner Geschichte. Und ich wiederhole mich auch gerne: Diese Listen sind im Laufe der Jahre gewachsen und mir bei allen großen Fahrten immer wieder eine Hilfe. Dass ich darauf notiere, mit wem ich wann weggefahren bin, ist eine Gedächtnisstütze für mich und kein Angriff gegen Dich. Das hat mit Dir ÜBERHAUPT NICHTS zu tun.

Als Du im Dezember nach Deinem Haar-Aufenthalt wieder vor meiner Tür gestanden hast, habe ich Dich wieder aufgenommen und Dir geglaubt, dass Du etwas ändern willst und Depression Deine Krankheit ist. Ja, ich wollte nicht sehen, dass Du noch andere und schwerwiegendere Probleme hast. Ja, Du hast schlimme Erfahrungen in der Kindheit gemacht, ABER Du kannst sie benennen und daran arbeiten. Sie sind keine Entschuldigung für Dein Verhalten heute. Und dafür hätte ich durchaus eine Entschuldigung erwartet, spätestens als Du mir erklärt hast, warum das alles passiert ist. Aber Du sagtest nur: „Ich konnte nicht anders.“ Jetzt sage ich: „Ich könnte zwar anders, aber ich will nicht.“ Deine Entschuldigung beim letzten Telephonat kann ich nicht wirklich annehmen. Es geht nicht darum, Dir eins auszuwischen, aber vielleicht ändert sich jetzt etwas für Dich und bei Dir. Mir ist es gleichgültig. Naja, noch nicht ganz, denn sonst wäre ich nicht noch wütend, würde nicht schreiben und es würde mir nicht immer noch im Kopf rumgehen. Aber es hilft mir und es ist gut für mich. Und darum geht es – um und für mich.

Vielleicht habe ich Dich gebraucht, damit Du mir beistehst, als mein Vater im Pflegeheim war und ich ihn das erste Mal dort gesehen habe. Er hat mich beschimpft und Du hast mich zu ihm geschickt als ich zornig aus seinem Zimmer gestürmt bin. Daraufhin bin ich zurück und habe ihn angeschrien; naja, nicht so laut wie ich könnte, aber diese „Ansprache“ war mehr als fällig! Ich bin für mich eingestanden und habe es auf eine Konfrontation angelegt. Und das war gut! Dass Du in dieser Situation für mich da warst, dafür werde ich immer dankbar sein.

Wir hatten auch schöne Momente, an die ich mich gerne zurückerinnere: Schwimmen im Freibad, picknicken an der Isar, Biergartenbesuche, gemeinsames Kochen etc. Wie schade, dass Du diesem wundervollen Mann so wenige Chancen gibst sich zu zeigen! Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du irgendwann bei Dir ankommst! Ein WhatsApp-Status war: „ Lass dir die Vergangenheit eine Lektion sein, die Gegenwart ein Geschenk und die Zukunft deine Motivation.“ Und das wünsche ich Dir!

B.