Seit Anfang November arbeite ich jetzt in der neuen Filiale. Eigentlich wollte ich nicht wechseln, aber in der alten Filiale war der Umsatz zu gering, zu viele Mitarbeiter, zu viele Stunden und in meiner jetzigen Filiale haben sie jemanden für 30 Stunden gesucht. Zwei Mitarbeiter standen zur Auswahl: eine neue Mitarbeiterin, die in manchen Bereichen noch eingelernt werden muss und eben ich. Da ich in dieser Filiale schon ein paar Mal ausgeholfen habe und sowohl die Chefin als auch die Stellvertreterin wie auch ein paar vom Team kannte – und sie mich (!) wollten – bin ich eben versetzt worden. Nein, wirkliche Mitsprache hatte ich an dieser Stelle nicht. Als meine damalige Chefin mit eröffnet hat, dass ich wechseln muss, habe ich es im Gespräch vom Kopf her gut verstanden; nachts hat es mir den Boden weggezogen und ich hab wieder heulend im Bett gelegen… “Sie wollen mich nicht. Ich bin nicht gut genug.” Etc. pp. All diese alten Gefühle, die hochkamen und denen ich in diesem Augenblick völlig hilflos ausgeliefert war. Natürlich habe ich versucht, mit dem Verstand dagegen anzugehen und mir die positiven Sachen aufgezählt: sauberes Lager; früherer Arbeitsbeginn; Tageslicht bei der Arbeit; kleines Team.

Nach einer durchheulten Nacht war´s gut. Sicherheitshalber habe ich am nächsten Morgen einen Termin bei meiner Therapeutin ausgemacht – und auch schnell bekommen – aber bis dahin hatte ich es schon gut selbst weggesteckt.

Und im Nachhinein muss ich sagen, dass sich die Filiale von Juli bis November irgendwie immer wie ein Provisorium angefühlt hat. So war´s ja auch! Und in meiner jetzigen Filiale fühle ich mich richtig wohl! Sowohl mit dem Team als auch mit den Chefinnen und den Kunden. Und was mir besonders gut gefällt, ist die Wertschätzung, die mir entgegengebracht wird. Wie wichtig das ist! Und in wievielen Jobs das eben NICHT gegeben ist. Das kenne ich durchaus aus eigener Erfahrung…

Anscheinend hab ich grad einen Lauf.

Heiligabend habe ich mit meiner Mama gefeiert und sie bei mir zum Essen eingeladen. Sie hat das erste Mal Raclette gegessen – und es hat ihr geschmeckt! Es war rundherum ein gelungener Tag, auch wenn sie mit einer guten Stunde Verspätung bei mir vor der Tür gestanden hat. Wir haben erst einmal Kaffee getrunken und an meinem Tisch gesessen und geplaudert. Das war total entspannt und entspannend. Ich war vorher schon ganz schön nervös. Warum eigentlich? Hm.

Später hab ich meine Mutter vor dem Fernseher geparkt, ihr die Nägel lackiert und mich ums Essen gekümmert; war ja auch überschaubar. Und sehr lecker! Nach dem Essen gab´s Bescherung: ich hatte ganz viele Päckchen für meine Mama und habe mit allem richtig gelegen. Sie hat über´s ganze Gesicht gestrahlt. Und ich hab mich über sie und an ihr gefreut! Natürlich gab es auch ein paar wehmütige Momente, z.B. als sie gemeint hat, dass Raclette meinem Vater auch geschmeckt hätte. Er mochte am liebsten Kartoffeln und wurde früher von mir zu Weihnachten mit Fondue gequält. Oder dem Kartoffel- und dem Rindfleischsalat meiner Mutter, die legendär sind! Da fehlte ihm ein großes Stück Fleisch. Das hatte ich jetzt nicht, aber rohen Schinken, Garnelen, Zwiebeln etc. Muskat nicht zu vergessen!

Am ersten Feiertag habe ich nichts gemacht; bin nur mal zwei Stunden spazieren gewesen.

Am zweiten Feiertag war ich bei einer Freundin zum Ente essen eingeladen. Da muss man mich nicht zweimal fragen! Sehr lecker! Und wir haben gleich Silvester geplant. Also, was wir essen wollen… Da freu ich mich auch drauf!

Dieses Jahr habe ich irgendwie nicht wirklich mitbekommen. Ich hatte ab Mitte des Jahres schon mehr Energie als am Anfang (ach!), aber einen neuen Job anzufangen resp. in einer neuen Filiale mit neuen Kollegen, neuen Abläufen, neuen Kunden usw. ist schon ziemlich anstrengend. Aber seit ich im Juli gewechselt habe und in der Woche fünf Stunden mehr arbeite, hatte ich mehr Zeit und Energie für andere Sachen. Das fiel mir aber erst auf, nachdem es vorbei war… Die letzten Monate in meiner ersten Filiale habe ich wirklich nur noch gearbeitet. Und mich ausgeruht. Weil der Stress dort mich völlig lahmgelegt hat. Und ich immer noch der Meinung bin, dass ich von der Vorgesetzten gemobbt wurde. Aber das lasse ich jetzt auf sich beruhen. Ich habe alles versucht, um mit der damaligen Situation zurechtzukommen und letzten Endes die Konsequenz gezogen: und bin gegangen.

Daher weiß ich jetzt umso mehr zu schätzen, wie wichtig ein wertschätzendes Miteinander für mich ist.

Und nachdem meine Basis wieder gefestigt ist  – wird sich auch alles andere finden…