Eigentlich wollte ich in meinem Urlaub nach Berlin fahren, Freunde besuchen. Aber: im November nach Berlin??! Ach nein. Also andere Pläne: nächste Woche ist der Geburtstag meiner ältesten Freundin; ich kenne sie schon seit der Grundschule. Und seit dieser Zeit sind wir befreundet. Da fahre ich erst nach Konstanz, eine andere Freundin aufsammeln, und dann geht´s gemeinsam in die Pfalz. Zum Feiern und Schwätzen.

Die zweite Woche bin ich in München: am Wochenende ist die Weihnachtsfeier von meiner Arbeit und ich will dabei sein.

In der letzten Woche fahre ich in ein 4-Sterne-Hotel mit Sauna. Ich nehme mir zwei Bücher mit und werde die Tage in eben der Sauna, dem Schwefel- und Moorbad und dem Gradierwerk verbringen und meinen (gesundheitlichen) Akku für den kommenden Winter aufladen. Nicht, dass ich es körperlich nötig hätte, denn meine Blutwerte sind sensationell gut (sic!), aber ein bisschen mehr Wärme kann nicht schaden. Also werde ich meinen Körper ein bisschen verwöhnen – auch wenn ich dieses Mal nicht an die See fahre.

Siebenmal mein Körper
Robert Gernhardt

Mein Körper ist ein schutzlos Ding,
wie gut, daß er mich hat.
Ich hülle ihn in Tuch und Garn
und mach ihn täglich satt.

Mein Körper hat es gut bei mir,
ich geb’ ihm Brot und Wein.
Er kriegt von beidem nie genug,
und nachher muß er spein.

Mein Körper hält sich nicht an mich,
er tut, was ich nicht darf.
Ich wärme mich an Bild, Wort, Klang,
ihn machen Körper scharf.

Mein Körper macht nur, was er will,
macht Schmutz, Schweiß, Haar und Horn.
Ich wasche und beschneide ihn
von hinten und von vorn.

Mein Körper ist voll Unvernunft,
ist gierig, faul und geil.
Tagtäglich geht er mehr kaputt,
ich mach ihn wieder heil.

Mein Körper kennt nicht Maß noch Dank,
er tut mir manchmal weh.
Ich bring ihn trotzdem übern Berg
und fahr ihn an die See.

Mein Körper ist so unsozial.
Ich rede, er bleibt stumm.
Ich leb ein Leben lang für ihn.
Er bringt mich langsam um.