Ich finde es sehr spannend zu beobachten, wie mein direktes Umfeld auf den Tod meines Vaters reagiert. Und Menschen, die JETZT nur an sich denken, keinen Augenblick darüber nachdenken, wie es mir gerade gehen könnte und mich mit Belanglosigkeiten belästigen, werden ausgesiebt und ich werde mich nicht mehr bei ihnen melden. Punkt.

Wieviel wertvoller sind in dieser Situation Freunde, die EINFACH für mich da sind! Die zuhören, mit mir lachen und weinen, mit mir kochen und essen, einfach da sind. Denen ich nicht erklären muss, warum ich gerade traurig aussehe. Denen es gelingt, Lachen und Leichtigkeit zu bringen. Die eine Ahnung von meinem Schmerz haben, der für mich völlig unvorstellbar war.

Wieviel wertvoller sind mir Arbeitskolleginnen, die mir Umarmungen und Bilder per WhatsApp schicken. Die mir mitteilen, dass sie gerade an mich denken und mich vermissen. Die meinen Schmerz mitfühlen und mich mit ihrer Anteilnahme auffangen und trösten.

Es geht nicht darum, dass ich jetzt das Verhältnis zu meinem Vater auflöse; das braucht seine Zeit. Ein jegliches hat seine Zeit und jetzt ist die Zeit der Trauer. Es geht mir darum festzuhalten, dass ich nicht alleine bin. Und meine Mutter auch nicht. Und wenn IRGENDJEMAND nicht nachvollziehen kann, dass ich mich nicht ablenken, sondern für meine Mutter da sein möchte, hat er in meinem Leben nichts mehr zu suchen. Ich habe keine Geschwister, vor acht Wochen haben wir die Schwester meines Vaters beerdigt, meine Familie sind jetzt meine Mutter und ich. Und eben die Freunde, die sich jetzt – mal wieder oder auch das erste Mal, weil neu in meinem Leben, – als Freunde beweisen. Denen ich mich nicht erklären muss. Und für die ich dankbar bin.