Beiträge mit dem Tag ·

offene Rechnungen

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Offene Rechnungen, Teil 2

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Gegen Abend habe ich eine E-Mail und eine SMS bekommen, dass ich ein Paket in der Packstation abholen kann. Meine Mutter hatte es mir geschickt – vor fünf Wochen! Zwischenzeitlich kam es zwei Mal zu ihr zurück, beim dritten Mal ist es ENDLICH in meiner Packstation angekommen. Auf den beiden Päckchen, die zu ihr zurück kamen, stand, dass meine Packstation überfüllt wäre.

???

Ich habe schon mehrere Pakete dort abgeholt – und bin auch schon quer durch München geschickt worden: entweder zu einer anderen Station oder eben zur Postfiliale. Auf wiederholte Nachfrage ihrerseits wurde ihr mitgeteilt, dass sie den Zettel falsch ausgefüllt hat. Man hat ERST die PostNummer aufzuschreiben und DANN die Nummer der Packstation. Wenn es nicht so und damit maschinenlesbar ausgefüllt ist – geht das Paket eben wieder zurück! Und es wird darauf vermerkt, dass die Packstation überfüllt ist. Kann man dann nicht wenigstens schreiben, worin der Fehler liegt? Oder es ggf. händisch nachbearbeiten? Oder sogar mit Fehler weiterleiten? Unsäglich.

So viel zum Thema Kundenservice…

Auf dem Heimweg sind zwei Kinder, vielleicht sechs oder sieben Jahre, auf mich zugekommen: “Entschuldigung, wo ist denn hier die Freibadstraße?” Ich orientiere mich kurz und zeige auf das Straßenschild in die Richtung, aus der sie gerade gekommen sind. Das Mädchen fuhr einen Tretroller, der Junge ist nebenher gerannt. Da ich den gleichen Weg hatte, haben sie mir noch erzählt, dass sie auf dem Weg zu einem Geburtstag sind. Das waren fast die Jüngsten, die mich angesprochen haben.

Noch jünger war nur einmal ein kleines Kind, das gerade gut laufen konnte und von seinem Vater weg zielstrebig auf mich zu gerannt kam. “Mama!” Na, das wüßt ich aber!

Offene Rechnungen, Teil 1

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Gestern habe ich auf einer Messe beim Arbeitsamt München die ICA InterCom Akademie unterstützt, denn dank ihnen habe ich mein Berufsziel gefunden, die nötigen Qualifikationen erhalten und mich selbständig gemacht. Die Veranstaltung war für ALG I-Empfänger, die schriftlich eingeladen worden waren, um sich über unterschiedliche Weiterbildungsangebote zu informieren – und diese auch bezahlt bekommen! Das ist etwas, war ich mir in meiner arbeitslosen Zeit auch gewünscht hätte, statt immer nur Listen mit meinen Bewerbungsaktivitäten zu schicken, für die sich keiner interessiert, denn auf meine E-Mails kam immer die Antwort: “Ihr Anliegen wurde abschließend erledigt.” Was soll das denn heißen?

Mit der Bundesagentur für Arbeit in München habe ich allerdings noch eine Rechnung offen. Meine Weiterbildung als Web-Manager für Marketing, Business und PR wurde auch per Bildungsgutschein gefördert. Ich habe sogar zwei Arbeitgeber gefunden, die mir bestätigt haben, dass sie mich danach einstellen, wenn ich die Weiterbildung erfolgreich absolviere. Beide potentiellen Arbeitgeber haben für mich eine Förderung im sog. WeGebAU-Programm beantragt. WeGebAU steht für “Weiterbildung gering qualifizierter und älterer Arbeitnehmer” – und es wurde abgelehnt, ohne weitere Prüfung, einfach “Nein”.

Die Begründung: “Das Programm WeGebAU richtet sich an Beschäftigte sowie an Arbeitslose bzw. Arbeitssuchende, die entweder gering qualifiziert, älter oder qualifiziert sind.”

Ja, was denn jetzt? Gering qualifiziert oder qualifiziert? In diesem Fall trifft es auf mich (und den Rest der arbeitenden Bevölkerung) zu. Lesen die beim Amt nicht, was sie schreiben?

Auf diesen Ablehnungsbescheid habe ich Widerspruch eingelegt und erläutert, warum mir – meiner Ansicht nach – eine Förderung durchaus zusteht. Wochenlang habe ich nichts vom Amt gehört. Zwischenzeitlich haben sich sogar Mitarbeiterinnen vom Arbeitgeber-Service für mich eingesetzt. Erfolglos.

Kurz vor Ablauf des ALG I-Geldes hat mich dann meine zuständige Vertreterin der Agentur für Arbeit, Frau K., angerufen. Sie war über ein Jahr für mich zuständig – und kennt mich nicht persönlich! Wenn ich Termine beim Amt hatte, war ich immer bei einer anderen Sachbearbeiterin. Ein paar Monate zuvor hatte Frau K. mir per Telephon vorgeschlagen, dass ich mich doch als SAP-Beraterin selbständig machen sollte… Ja, geht´s noch!? Wissen die, wie es auf dem Markt für SAP-Berater aussieht? Ja, ich weiß ein paar Dinge, SEHR spezielle im Modul HR und hier auch “nur” bei der Learning Solution. Die allerdings hoch und runter. Aber das reicht IN KEINER WEISE, um damit selbständig meinen Lebensunterhalt zu bestreiten! Abgesehen davon haben die beim Amt eh keine Ahnung, was SAP ist oder wie deren Software aussieht. SAP läuft unter ERP. Ohne Worte! Ich habe dann lustige Stellenangebote bekommen zum Thema SAP Module SD, ERP, CS, CRM u.ä. mit Expertenkenntnissen in ERP, erweiterten Kenntnissen in Wirtschaftinformatik etc. Auf diese Stellen habe ich mich nicht beworben, sondern per Mail beim Amt Bescheid gesagt, dass ich von einer Bewerbung absehe, da ich die Ansprüche des Kunden mit meinen Kenntnissen nicht erfüllen kann.

Ich hatte gehört, dass es beim Arbeitsamt auch eine extra Abteilung für Akademiker gibt, der ich mich nicht zugeordnet fühlte. Blöderweise ist Frau K. genau für die Akademiker zuständig; wurde mir gesagt. Meine Anfrage nach einem anderen Betreuer wurde auch nicht entsprochen, da Frau K. dafür die richtige sei.

Kurz vor Ablauf meines ALG I-Geldes rief mich also Frau K. an, um mich davon in Kenntnis zu setzen, dass mein Arbeitslosengeld bald ausläuft. Vielen Dank, das habe ich nicht vergessen! Und ob ich denn schon ALG II beantragt hätte? Das solle ich doch bald tun, denn schließlich würde die Prüfung auch einige Zeit in Anspruch nehmen. Für diese Information habe ich mich bedankt, und mich schlau gemacht, wie hoch denn ALG II ist. Dann meine Erkenntnis: ALG II = Hartz IV!

Das war ein Schlag in die Magengrube! Abgesehen davon, dass man nicht einfach so Hartz IV bekommt, sondern vorher all seine Ersparnisse aufgebraucht haben muss, bis auf einen kümmerlichen Rest.

Das ist also die Aufgabe der Frau K.: die Arbeitslosen rechtzeitig davon in Kenntnis setzen, dass sie Hartz IV beantragen sollen, statt sie darin zu unterstützen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und Wissen zu erwerben, das es ermöglicht, die nächsten Jahre den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten!

Auf der Messe gestern liefen die Aussteller und Mitarbeiter der Arbeitsagentur mit Namensschildern herum. Frau K. war nicht dabei. Und das war gut für sie, denn sonst hätte der Sicherheitsdienst etwas zu tun gehabt.